Ein Ort der Begegnungen

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Quelle: Kirchenzeitung Nr.16 Sonntag 22. April 2007

Die Rostocker Ev. Buchhandlung feiert 100-jähriges Bestehen

 

Ihren Anfang nimmt Rostocks Evangelische Buchhandlung vor hundert Jahren in einem Pappkarton: Margarete von Oertzen, Gründerin des Christlichen Vereins in Rostock, verkauft ab 1907 Karten und kleine Schriften an Vereinsmitglieder und Besucher von Gemeinschaftsverammlungen. Weil bald weder Karton noch Kommode ausreichend Platz für das Schriftgut bieten, erwirbt sie in der Friedrich-Franz-Straße, der späteren August-Bebel-Straße, das Haus mit der Nummer 60, das Vereinssal wie Laden aufnehmen kann. Bis in die 1940er-Jahre hinein verkaufen und versenden die Mitarbeiter der Christlichen Buchhandlung, deren Inhaberschaft Frau von Oertzen später an Margarethe von Bülow übertrug, Bibeln und christliche Literatur.

Zehn Jahre nach Kriegsende kehrt die unter den Nazis von einem Lebensmittelladen verdrängte Buchhandlung in das beschädigte Haus zurück. Als die Pächterin 1956 gen Westen umzieht, sucht Inhaberin M. von Bülow händeringend nach einem neuen Betreiber und findet ihn mit Hilfe des Schweriner Pastors Th. Rohrdantz im Evangelischen Jungmännerwerk Berlin.

Als Geschäftsführerin empfiehlt der Pastor die Buchhändlerin Susanne Hein aus der Erfurter Luther-Buchhandlung.

Ab Januar 1957 steht die Erfurterin in Rostock hinter dem Ladentisch. Aussicht auf eine Wohnung hat die zur Untermiete Einquartierte nicht. Binnen eines Jahres, so fürchtet sie damals, wird sie " das sterbende Kind wohl niederlegen müssen". Doch sie bleibt: 34 Jahre lang, bis Ende 1990, steht Susanne Hein der Evangelischen Buchhandlung vor.

"Der Einkauf war oftmals ein Kampf um jedes Exemplar", erzählt die Buchhändlerin, deren Haus wie alle christlichen Buchhäuser auf Zuteilung der Evangelischen Verlagsanstalt angewiesen ist. Nicht immer bekommen die Händler vor der Bestellung ein fertiges Buch zu sehen: Von den in Messe-Katalogen gezeigten Entwürfen ordern sie auf Verdacht die größtmögliche Stückzahl. Papier ist knapp; von 1500 bestellten Exemplaren kommen oft nur 300 Stück im Laden an.

Die wenigen, heiß begehrten Druckwerke- etwa das Plattdeutsche Gesangbuch oder die " Dorfkirchen in Mecklenburg"- werden den beiden Buchhändlern regelrecht aus der Hand gerissen. "Mangel ist vermutlich leichter zu verwalten als Fülle", urteilte die 79-Jährige augenzwinkernd.

Im Mai 1985 ist das Buchhaus an den Ziegenmarkt 4 umgezogen. Eine steile Treppe führt ins Obergeschoss des Hinterhauses, das als Übergangsquartier für etwa zwei Jahre gedacht ist. Nach der Sanierung des Giebelhauses schräg gegenüber dem Südportal der Marienkirche soll die Buchhandlung nicht mehr zu übersehen sein. Doch Baugenehmigung und Material sind in der DDR schwer zu bekommen. Erst nach der Wende wird das Giebelhaus der Mariengemeinde saniert- und für die Evangelische Akademie hergerichtet. In den Keller zieht der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) ein, dessen Berlin-Brandenburger Landesverband Ostwerk neben der Gießener Alpha Buchhandlung Gesellschafter des nunmehr als GmbH fortgeführten und der Greifswalder Dombuchhandlung angegliederten Buchhauses ist.

Nicht nur Susanne Hein hätte den Umzug in die erste Reihe gar zu gern bewerkstelligt. Auch Helga Beyer, seit Ende 1985 Mitarbeiterin und - nach dem Weggang ihrers Vorgängers Steffen Winkler - seit 1994 Chefin des zweiköpfigen Teams (zusammen mit Frau Carola Lukas), hatte auf das Giebelhaus gehofft. Der backsteinerne Hofbau nämlich sei trotz Ausschilderung für Laufkundschaft schwer zu finden, die steile Stiege und die Enge im Verkaufsraum machten Lesungen fast unmöglich, bedauerte sie. "Aber wir leben von der treue der Stammkunden", erklärte Helga Beyer, die die Evangelische Buchhandlung auch als ein "Ort der Begegnungen", erfährt. Menschen, die sich zehn Jahre nicht sahen, laufen sich hier in die Arme, einstige Klassenkameraden begegnen einander, Schüler treffen auf ihre Lehrer. Dass viele Jüngere in den Regalen und Ständern mit Büchern und CDs, mit Spruchkarten, Kreuzen, Kerzen oder Geschenkartikel stöbern, das ist für Helga Beyer "kein neues Phänomen". "Hierher kommen die guten Geister", schmunzelt die 58-Jährige, die "am liebsten Bibeln" verkauft und neben Luthers Wort die Sichten des Seelsorgers Pater Anselm Grün hoch zu schätzen weiß.    

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

  • Herbst 2011 : Umzug vom Ziegenmarkt 4 in die neuen Räumlichkeiten - Lange Str. 26 auf der Rückseite, beim Heiligengeisthof/ Ecke Eselföterstraße 

  • Februar 2008- April 2013 : Filialleiter Herr Mordhorst

  • Im Mai 2013 übernimmt die langjährige Mitarbeiterin Frau Rahn (ehemals Lukas) die Filialleitung der Evangelischen Buchhandlung.

  • 22.April 2017 - 110 Jahre Evangelische Buchhandlung Rostock

 

      

unsere Telefonnummer:

0381/49 23 550

 

Unsere Öffnungszeiten

 für Sie:

Montag -Freitag

9:30-18:00Uhr

Samstag:

  10:00 - 16:00 Uhr


Wir  freuen uns auf Ihren Besuch!